Erfahrungsberichte

Die Arbeit mit dem Stein – Rückblick

Aug. 2023, von Isabel.
Wir arbeiten mit Alabaster und Speckstein, die wesentlich weicher sind als Marmor, so dass wir auch innerhalb eines Wochenendes zu einem Ergebnis kommen können. Der Kurs ist auch für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse geeignet und nach einer ausführlichen Einführung hört man bald das helle klopfen der Meißel.
Im Freien, mit Blick auf Pferde und Berge lässt es sich selbst bei diesem nassen Regenwetter dank der Stallüberdachung gut arbeiten – zudem, warm wird es ohnehin, durch die körperliche Betätigung.
Es ist nicht mein erster Stein, den ich bearbeite. Und je öfter ich es mache, desto mehr verlangt es in mir danach, es immer wieder zu tun… Ich erlebe im künstlerischen Prozess mit dem Stein wie mit keinem anderen Material eine so große Fülle an Erfahrungen – zunächst der rohe, unbehauene Stein, der mir gegenüber steht – mit kräftigen Hammerschlägen und richtigem Körpereinsatz will dieser erst einmal ein wenig freigelegt und entdeckt werden, ein wahres Kräftemessen, ein Ringen, ein erstes Gegenübertreten in die Begegnung mit dem Material.
Nach und nach erscheinen Formen, die entstehen, der Stein gibt vor, ich gehe nach – oder ist es umgekehrt? Es entsteht ein Dialog, ein Miteinander, eine Beziehung, ein Zwiegespräch zwischen dem Stein und mir. Immer wieder halte ich inne, schaue und lausche in den Stein, in die Form und greife auf, was da an inneren und äußeren Impulsen kommt. Der Stein ist für mich ein richtig handfestes Gegenüber, an dem ich mich reiben kann, an dem ich mich abarbeiten kann, an dem ich mich spüre – und das tut wahnsinnig gut. Nach und nach wird die Arbeit immer feiner, mein Herangehen sensibler, die Hammerschläge gezielter und bedachter. Der Stein zeigt sich in neuer Form und ich bin jedesmal überrascht und ungläubig, dass ich das gestaltet habe. Es ist, also würde eine Schaffenskraft als drittes Element in den Prozess hineinkommen. Und wenn es schließlich darum geht, die Flächen- und Linienführung zu verfeinern, mit Augen und Händen tastend, dem Stein den letzten Schliff gebend, kommt Freude und Genuss auf – wie schön, diese weichen, geschwungenen Flächen zu fühlen, immer wieder abzutasten, der Stein ist verwandelt, in etwas so Schönes, Zartes – das Licht scheint durch den Alabaster… Tiefe Zufriedenheit und Ruhe stellen sich ein.
Die Steine der anderen TeilnehmerInnen scheinen einen ähnlichen Prozess durchlaufen zu haben, lauter individuelle, wunderschöne Schätze liegen da am Ende des dritten Kurstages auf den Böcken – wie schön. Und ich bekomme Lust, gleich weiter zu machen. Zwei Teilnehmerinnen haben denselben Impuls, sie suchen sich einen zweiten Stein aus und werden selbstständig gleich morgen nochmals an die Arbeit gehen… Vorsicht, Suchtpotential 😊!
Der nächste Kurs kommt bestimmt!